Dienstag, 20. Februar 2018

Gefirmt und sie kamen nie wieder!

Ein Witz: Drei Pfarrer unterhalten sich. Sagt der eine: Ungeziefer hatte ich in der Kirche. Ein biologisch ökologisch einwandfreies Gift habe er da gespritzt- ganz bio...."Und?" frugen die Andern. "Na ja, das Ungeziefer lebt immer noch!". Der zweite, der nahm echtes Gift. Auch kein Erfolg. Da sagte der alt erfahernde Pfarrer: " Ich habe das ganze Ungeziefer gefirmt!" "Und?" "Es ist nie wieder gekommen!"
Bischof Stefan Oster hat wohl ähnliche Erfahrungen vor Augen, als er seinen Hirtenfastenbrief 2018 schrieb. Stellen wir uns vor, so früge man die Erstkommuikanten und Firmlinge: "Du hast nun das Geschenk der Erstkommunion oder Firmung bekommen. Du weißt,dass es da um ein Leben mit Jesus geht, um die Freundschaft mit ihm, zu der er Dich einlädt in seiner Kirche. Denn die Kirche ist die Gemeinschaft der Freunde Jesu. Bist Du also bereit, nun so zu leben, wie ein Katholik normalerweise lebt, dem diese Beziehung wichtig ist? Bist Du also bereit, sonntags zur Hl. Messe zu gehen, um Jesus in der Kommunion zu empfangen? Bist Du bereit, täglich zu beten und regelmäßig in der Bibel zu lesen? Bist Du bereit, immer wieder das Geschenk der Wiederversöhnung mit Gott in der Beichte zu empfangen? Und bist Du bereit, Deinen Glauben auch vor anderen Jugendlichen zu bekennen?"  (S.3 des Hirtenbriefes). 
Nach dieser gediegenen Skizzierung, was macht ein katholisches Leben aus, erfolgt die desillusionierende aber unbestreitbare Wahrheit: "Wir alle wüssten, liebe Schwestern und Brüder, dass beinahe 100 Prozent der so gefragten Kinder und Jugendlichen als ehrliche Antwort sagen würden: "Nein, dazu bin ich nicht bereit. Ich will es nicht und selbst wenn ich es wollte, ich könnte es nicht." Soweit Bischof Oster. Und wer wolle und könnte dieser nüchternen Bestandsaufnahme widersprechen.
So soll es nicht sein, so darf es auch in der Kirche nicht sein-aber so ist es!  Nur, was nützt diese Feststellung und Beurteilung, wenn nicht analysiert wird, warum das so ist und was an dieser Misere durch die Kirche selbst verschuldet ist, wenn nicht nach dem Eigenanteil gefragt wird! Die einfache Proklamation: So darf es nicht weitergehen! hilft da wenig und auch die beabsichtigte Heraufsetzung des Firmalters auf 16 Jahre dürfte an dieser Misere nichts ändern.  
Lesen wir das Zitierte noch einmal genau nach: Was, wenn nun ein Gefirmter früge: "Warum soll ich denn die Freundschaft mit Jesu erstreben und dann um dieser Freundschaft willen so katholisch leben?, dann findet diese Frage im ganzen Hirtenwort keine Antwort! 
Entweder tuen wir etwas, weil es dazu dient, ein von uns erstrebtes Ziel zu erlangen, ich esse, um das Hungergefühl los zu werden und um so satt zu sein, oder wir tuen etwas selbstzwecklich: Ich höre eine schöne Musik, um sie zu genießen. Der hl. Augustin unterschied das so: als uti-Handlungn bezeichnet er alles Tuen, das seinen Zweck außerhalb des Tuens hat, es ist nützlich hinsichtlich des Endzweckes und als frui-Handlungen alles Tuen, was wir um seiner selbst willen unternehmen, als genießen. Ist nun die Jesus Freundschaft eine nützliche- wozu dann? oder soll diese Freundschaft um ihrer selbst willen gelebt werden? Auf diese Frage findet sich im Hirtenbrief keine Antwort. Freunde mag wohl jeder gern haben, gerade auch, wenn sie auch nützlich sind, aber warum dann eine mit Jesus  leben?
In dem wirklich lesenswerten Jugendroman: "Die Abenteuer von Ton Sawyer und Huckleberry Finn" findet sich- meiner Erinnerung nach- daß  die Jugendlichen anfänglich recht angetan waren von den ihnen erzählten Jesusgeschichten, bis sie erfuhren, daß der schon vor langer Zeit gelebt hatte. Wozu sich mit einem Toten beschäftigen?
Kann man nichtmal die Frage, wozu mit Jesus befreundet sein und was soll denn das Besondere an dieser Freundschaft sein, respondieren, warum sollen dann Kinder und Jugendliche Freunde Jesu werden wollen? Und für  16 Jährige?  Realistisch gesagt: Für ein 16 jähriges Madel ist doch ein richtiger Freund zum Tanzen und Küssen ergiebiger als dieser Jesus und das gilt nun auch für die jungen Männer! Oder es müßte eben das Einmalige, das, was nur bei Jesus zu finden ist, herausgestrichen werden! Aber dann müßte eben von Jesus, dem Christus, dem Sohn Gottes die Rede sein und von einem religiösen Verhältnis zu ihm und das ist etwas von einer Freundschaft Grundverschiedenes.

Corollarium 1
Wenn die Kirche sich nicht wesentlich von der Religion her begreift, verfehlt sie sich und destruiert ihr Eigenleben. Freundschaft zu Gott ist eben kein  genuin religiöser Begriff! Die religiöse Unterweisung muß eben Kinder und Jugendliche in das religiöse Leben einführen.    

   
      

Montag, 19. Februar 2018

"Kommunionempfang auch für evangelische Partner?"

"Natürlich steht bei dieser Frage im Hintergrund, dass das gemeinsame Feiern von Eucharistie beziehungsweise Abendmahl in der konfessionell vielfältigen Christenheit immer auch mit der Frage nach Kirchengemeinschaft zu tun hat. Theologisch ist man hier mit Blick auf die Protestanten allerdings längst an einem Punkt, wo die Gründe für die Spaltung weitgehend überwunden sind. Nicht zuletzt mit Blick auf die Praxis in den Gemeinden, in der der gemeinsame Kommunionempfang konfessionsverschiedener Partner gang und gäbe ist, wäre eine förmliche bischöfliche Regelung ohnehin nur ein nachholender Schritt."  
So versimplifiziert sieht dies Problem der Standpunktkommentar von Katholisch de am 19.2. des Jahres. Über so viel konfessionskundliche Unkenntnis könnte achselzuckend hinweggelesen werden, müßte nicht befürchtet werden, daß das in etwa so der (Un-)Kenntnisstand der meisten ökumenisch Engagierten ist. So läge es doch nahe, aus dem Faktum der differenten Benennung als Eucharistiefeier oder als Abendmahlsfeier zu folgern, daß damit auch zwei verschiedene religiöse Praxen benannt werden. 
Aber man sei schon an einem Punkte des ökumenischen Dialogsierens angekommen, wo die Lehrdifferenzen weitestgehend überwunden seien, so daß die Spaltung überwindbar wäre. Aber was sagt da das nebulöse: "weitgehend"? Gibt es etwa noch immer legitime Gründe der Aufrechterhaltung der Kirchenspaltung? Sicher ist die theologische Kompetenz der meisten katholischen Ökomeniker schon überfordert, wenn man sie frägt, ob nicht die Katholische Kirche in dem apostolischen Glaubensbekenntnis die eine und das ist die ungeteilte Katholische Kirche bekennt,  sodaß es gar keine Spaltung der einen wahren Kirche gegeben hat durch die Reformation sondern nur einen Abfall von der einen Kirche. Wer würde auch behaupten, fiele eine Rebe vom Weinstock, daß nun die Einheit des Weinstockes genichtet sei. 
Noch befremdlicher ist das Argument aus der Praxis: Wenn unrechtmäßig gehandelt wird, so wird der Unrechtscharakter doch nicht dadurch aufgehoben, daß viele so unrechtmäßig handeln. Oder will man ernsthaft sagen, daß wenn die Korruption zum Regelfall bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen geworden wäre, dann die Korruption rechtens sei? 
Aber so plump argumentiert man heutzutage in der Kirche: Wenn was viele so machen, dann nüsse die Kirche das anerkennen, denn wenn es viele tuen, ist es eben rechtmäßig.
Und was ist mit den Lehrdifferenzen? Seien wir ehrlich. Hier gilt faktisch: Was interessieren uns theologische Lehren, Hauptsache, daß wir zusammen feiern! 
Ohne die Geringschätzung der Theologie und gar der dogmatischen Lehren gäbe es gar keine ökumenische Bewegung. Aber es hält sich doch die Sage, daß die einst in dieser Causa bestehenden Lehrdifferenzen beseitigt worden seien. Nur: Wie sind sie beseitigt worden? Durch ein ganz simples Verfahren. Wollte ich beweisen, daß zwischen Mann und Frau es keine Unterschiede gäbe, bräuchte ich nur zu beweisen, daß beide der Gattung Mensch angehören und daß angesichts dieser Gemeinsamkeit die Differenzen zwischen Frau und Mann unwesentlich sind. So treibt man Ökumene: In blutleeren Abstraktionen verschwinden alle Lehrdifferenzen. Warum? Aus Gleichgültigkeit der Lehre und der Wahrheit gegenüber. 
Ganz verdrängt wird dabei aber das Faktum der Möglichkeit eines sakrlegischen Empfanges der hl. Kommunion, daß die Kirche auch Christen davor zu schützen hat, dies Sakrament sich selbst zum Unheile zu empfangen. Solche unerquicklichen Wahrheiten haben eben keinen Platz in der Ökumene!  
Aber es ist zu befürchten, daß die Deutsche Bischofskonferenz auch hier im Ungeiste Papst Franziskus die Kommunion für alle sukzessive einführen möchte. Das käme zwar beim Herrn der Eucharistie wenig gut an, aber in den Medien umso mehr.

Zusatz:
Daß das gültig Getaufsein eine hinreichende Bedingung für den erlaubten Empfang der hl.Kommunion sei, dem widerspricht ein Blick ins Kirchenrecht. So darf ein Getaufter, aber Exkommunizierter dies Sakrament nicht empfangen und auch kein von der Katholischen Kirche Abgefallener.          
    

Sonntag, 18. Februar 2018

Irritationen:Gedenke, daß Du Staub bist

Jedes Jahr Aschermittwoch: Memento homo, quia pulvis es, et in pulverim reverteris.
(Bedenk, o Mensch:Staub bist du und kehrst zurück zum Staub- das Futur II wird hier nicht übersetzt: du wirst zum Staube zurückgekehrt sein werden). Das vollständige Römische Meßbuch, lateinisch und deutsch, Beuron, 1962. 
So vertraut diese Aschermittwochsproklamation auch ist, so problematisch ist sie leider auch. Im Jahre 1950 konnte noch im Gebets- und Gesangbuch des Erzbistumes München und Freising als Grundwahrheit des Glaubens gelesen werden: "Ewige Seligkeit oder ewige Verdammnis wird das endgültige Geschick der unsterlichen Seele sein." (S.15) 
Evoziert dagegen in unserer materialistisch denkenden Zeit die Erinnerung an unser Sterbenmüssen nur die Maxime: Carpe diem!, weil dir nicht unbegrenzt viele Lebenstage zur Verfügung stehen?  Wird klar, daß wir nur Staub sind infolge unserer Erbsündigkeit, daß das eben nicht die Natur des Menschen ist, sondern nur seine depravierte? In der vorkonziliaren Liturgie hieß es noch: "nun,da wir erkennen,daß wir Staub sind und zur Strafe für unsre Bosheit zum Staub zurückkehren werden," (S.121).Auch der postlapsarische Mensch hört nicht auf, eine unsterbliche Seele eingebunden in einen Körper zu sein, sodaß er nie zu Staub werden kann, das kann nur sein irdischer Körper. 
Angesichts eines Verstorbenen frägt der Gläubige: "Wo mag jetzt seine Seele sein? Und: "Was kann ich zum Heile für sie unternehmen?" Die bloße Reflexion auf unsere Endlichkeit, naturalisiert als etwas zum Leben Dazugehöriges führt dagegen bestenfalls zu einem bewußteren Leben, da uns Endlichen nur eine limitierte Lebenszeit zur freien Gestaltung zur Verfügung steht.
Die Erinnerung an unsere Endlichkeit evoziert dann noch die Anfrage: Lohnt sich für mich, für uns Menschen dies zum Sterbenmüssen verurteilte Leben. Ludger Lütkehaus versucht ja in seinem Opus: "Nichts"  das metaphysische Urteil, sein ist besser als nichtsein, aus den Angeln zu heben. Im Hintergrund steht selbstredend Epikurs Todesverständnis, daß es meinen Tod, den ich fürchte, gar nicht geben kann, er nie zu einem mich betreffenden Ereignis und Zustand werden kann, denn, wenn ich bin, ist nicht der Tod und wenn der Tod ist, bin ich nicht. Der Tod ist eben die reine Nichtung meines Iches. Die Ökonomisierung des Lebens, die Lütkehaus schon bei A. Schopenhauer anfangend sieht, beurteilt das menschliche Leben ja wie ein Geschäft. Schreibt es schwarze Zahlen, dann lohnt es sich, schreibt es nur noch rote Zahlen und wenn keine Besserung mehr zu erwarten ist, lohnt es sich nicht- also schließt man es. Das ist dann die schwarze Null, die Nichtmehrexistenz, das Freisein von allem Negativen, aber auch von allem Positiven: das Todsein. Der Tod ist so wie eine Geschäftsaufgabe bei roten Zahlen, wenn der Freitod gewählt wird. 
Evoziert so das Eingedenken des Sterbenmüssens nicht gerade die Option des Freitodes für den, dem sein endliches Leben als nicht mehr lohnenswert erscheint? Ganz anders sieht es aus, wenn die möglichen Folgen des gewählten Freitodes bedacht werden, wenn unsere Seele unsterblich ist.
Naturalisiert so dies, gedenke, daß Du Staub bist! nicht gerade den Tod als zum Leben Dazugehöriges und verleitet es nicht dazu, den Tod auch als freiwilllige Lebensaufgabe in Erwägung zu ziehen um der schwarzen Null willen?         

Samstag, 17. Februar 2018

Super, Deutschland schafft sich ab!

Gibt es überhaupt Antideutsche? Oder sind die nur ein Produkt rechter Verschwörungstheorien? Denis Yüzel, eben aus türkischer Haft entlassen, gibt uns dazu eine klare Auskunft.In seiner Tazkolumne : Geburtenschwund: "Super, Deutschland schafft sich ab" vom 4.8.2011 schreibt er Klartext (www.taz.de/!5114887/): 
 "Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite. Eine Nation, deren größter Beitrag zur Zivilisationsgeschichte der Menschheit darin besteht, dem absolut Bösen Namen und Gesicht verliehen und, wie Wolfgang Pohrt einmal schrieb, den Krieg zum Sachwalter und Vollstrecker der Menschlichkeit gemacht zu haben; eine Nation, die seit jeher mit grenzenlosem Selbstmitleid, penetranter Besserwisserei und ewiger schlechter Laune auffällt; eine Nation, die Dutzende Ausdrücke für das Wort "meckern" kennt, für alles Erotische sich aber anderer Leute Wörter borgen muss, weil die eigene Sprache nur verklemmtes, grobes oder klinisches Vokabular zu bieten hat, diese freudlose Nation also kann gerne dahinscheiden."
Als Antideutscher steht er damit nicht allein. Es sei an die Begeisterung gedacht, mit der Linke: "Harry tue es noch einmal!" rufen zur Verhöhnung der Bombenkriegsopfer Dresdens, an die Parolen:"Deutschland verrecke!", "Nie wieder Deutschland!", "Deutschland, du verdammtes Stück Scheiße!"  
Nein, die Antideutschen sind nicht limitiert auf die radicale Linke, die sich 1989 unter der Selbstbezeichnung der Antideutschen formierte. Radicale Linke faßten damals ihr Programm angesichts der Wiedervereinigung so zusammen: "Linke Utopie könne angesichts dieser Perspektive  nur in der Zerstörung des deutschen Staates und seiner Ersetzung durch einen Vielvölkerstaat sowie der Auflösung des deutschen Volkes in eine multikulturelle Gesellschaft liegen."  (M.Steffen, Geschichten vom Trüffelschwein, 2002, S.325)
Yüzel hat da eine gediegenere Perspektive vor Augen:
"Nun, da das Ende Deutschlands ausgemachte Sache ist, stellt sich die Frage, was mit dem Raum ohne Volk anzufangen ist, der bald in der Mitte Europas entstehen wird: Zwischen Polen und Frankreich aufteilen? Parzellieren und auf eBay versteigern? Palästinensern, Tuvaluern, Kabylen und anderen Bedürftigen schenken? Zu einem Naherholungsgebiet verwildern lassen? Oder lieber in einen Rübenacker verwandeln?Egal. Etwas Besseres als Deutschland findet sich allemal."
Ach ja: Was ist des Deutschen liebste Beschäftigung: "Volkssportarten Jammern und Ausländerklatschen"!
So viel zum Haß gegen Deutschland, unser Volk. Schlichte Gemüter meinen, daß der Mensch von Natur aus sich liebe, nur daß es eben dann an der Nächstenliebe mangele. Aber, der Haß auf Deutschland ist in erster Linie ein deutsches Problem, daß Deutsche ihr Deutschsein hassen. Der türkische Journalist gibt uns für den Grund dieses Selbsthasses eine gewichtige Antwort. Die Vergangenheitsbewältigung der nationalsozialistischen Herrschaft fundiert diesen antideutschen Selbsthaß. Das absolut Böse, das einst der Satan war, dazu sind wir Deutschen gemacht worden und werden es gemacht, sodaß nur ein antideutscher Deutscher ein guter Mensch sein kann. Da es davon aber zu wenige gibt, hofft Yüzel auf das Aussterben des deutschen Volkes, Linke wollen es durch eine Multethnisierung auslöschen. 
These: Erst von diesem antideutschen Hintergrund her wird die  Begeisterung der politisch Linksstehenden für die Politik der Bundesregierung verständlich: Diese Politik schafft Deutschland ab! Es st so nur konsequent, daß diese Kräfte sich auch für die Abtreibung einsetzen, denn Kinder sind die Zukunft eines jeden Volkes und darum soll der Nachwuchs verhindert werden und für die Homosexualität. 
Warum springt nun aber die Katholische Kirche und der organisierte Protestantismus  auf diesen antideutschen Kurs? Mit dem christlichen Glauben ist diese Unkultur des Selbsthasses nicht kompatibel.    







 





Freitag, 16. Februar 2018

So dialogisert der Papst

"Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt es Widerstände gegen Reformen in der Kirche, sagt der Papst. Wie er selbst mit seinen konservativen Kritikern umgeht, hat Franziskus jetzt verraten."So dürfen wir nun den Enthüllungen des Papstes auf Katholisch de am 15.2. lauschen. Selbstredend stellt sich der Papst hier selbst als Vorbild dar: So sollt auch ihr mit conservativen Kritikern meiner Kirchenpolitik umgehen. In einem Satz: Der Papst liest keine Blogs, die ihn als Häretiker beurteilen. " Aber mancher Widerstand komme von Personen, "die glauben, sie seien  in Besitz der wahren Lehre und dich anklagen, häretisch zu sein.Solche Widerstände seien bedauerlich, aber man müsse weiter voranschreiten."
So geht der Papst mit Kritik an Amoris laetitia um. Er hat eben von dem Bundeskanzler Kohl gelernt:
›Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter!‹« Berliner Zeitung, 03.02.1995. Das schlimmste an diesen Kritikern ist eben, daß sie behaupten, im Besitz der Wahrheit zu sein. Spräche so ein Freimaurer, wäre Verständnis für diese Kritik angesagt, denn in der Hierarchie der Loge kennen nur die Hochgradfreimaurer die ganze Wahrheit, den meisten wird sie vorenthalten. Ganz anders sieht es da in der Katholischen Kirche aus, in der die ganze Wahrheit, fundiert in der Offenbarung Gottes präsent ist als der Glaube der Kirche. Die hl. Schrift bezeichnet das gern als die doctrina sana, die gesunde Lehre. Conservative Kritiker urteilen also, daß einiges, was der Papst lehrt, nicht im Einklang sich befindet mit der gesunden Lehre der Kirche. 
Nun könnte der Papst ja seinen Kritikern gegenüber beweisen, daß sein nachsynodales Schreiben in Allem der doctrina sana entspricht. Aber er schweigt zu den  kritischen Anfragen! Kein Wort redet er mit conservativen Kritikern, ja er rühmt sich gar, sie erst gar nicht zu lesen. Nach Kath net  vom 15.2. des Jahres sagt der Papst: "Um meiner geistigen Gesundheit Willen lese ich die Internetseiten dieser sogenannten 'Widerständler' nicht", sagte er im Gespräch mit Ordensleuten."
Das macht eben den Unterschied zwischen dem ersten Papst, Papst Petrus und Papst Franzikus aus: Während Petrus sich die Kritik des Apostels Paulus bezüglich des Umganges bei Tisch mit Heiden- und Judenchristen zu Herzen nahm, verschließt dieser Papst sich jeder Kritik. Er läßt wie der Kanzler die Reformkaravane weiter voranmarschieren ohne Rücksicht darauf, ob sie sich nicht so von der gesunden Lehre der Kirche entfernt.
Ja, es scheint fast so, als gäbe es für diesen Papst die doctrina sana noch gar nicht, als müsse sie noch erst hervorgebracht werden. Wie führt man als kirchlich korrekt den Dialog?
 A) Auszuschließen von ihm sind alle, die sagen, es gäbe eine  offenbarte Wahrheit und eine darauf fundierte Lehre der Kirche, die für jeden Katholiken erkennbar sei.  
B)  Die Wahrheit liegt noch in der Zukunft verborgen, sodaß nur Progressive sie antizipierend wahrnehmen können. Deshalb dialogisiert der Papst  nur mit politisch Linksgesonnenen, denn nur die sind progressiv.  So hat sich jeder gute Katholik zu verhalten.
C) Um der seelischen Gesundheit willen, nehme kein Katholik conservative Stellungnahmen wahr- man ignoriere sie. Auf keinen Fall respondiert man ihre Fragen- etwa solche wie die der Dubia. 
Sagen wir es mit einem Wort: Der Papst ist ein vorbildlicher Gutmensch- gnadenlos gegen seine Kritiker.     

Corollarium 1
"Wir müssen weiter voranschreiten"- mit diesem offenherzigen Bekenntnis zeigt Papst Franziskus an, wie sehr er ein vom Modernismus geprägter Kirchenmann ist. Die Wahrheit ist für ihn nicht schon etwas Offenbartes und in der Kirche Präsentes, sondern es muß noch prozessual von Fortschritt zu Fortschritt voranschreitend herorgebracht werden. Da kann dann, was gestern noch als wahr galt, sich heute als Irrtum erweisen. Ja, selbst der Sohn Gottes kann sich irren, indem er uns ein falsches Gottesbild im Vater Unser lehrt, das nun aber der Papst mutig modernisiert gemäß den progressivsten Erkenntnissen  der Theologie.    


Donnerstag, 15. Februar 2018

Haben wir Gott getötet? Tötete die Theologie Gott?

Einfache Erklärungen komplexer Ereignisse sind so beliebt gerade weil sie Komplexes auf einfach Einsehbares und Kommunikables reduzieren. Aber in solchem Reduzieren ist auch eine Gefahr  mitgegeben, daß die Realität verkannt wird. Unbestreitbar ist, daß die Kirche seit dem 2. Vaticanum im freien Fall nach unten sich befindet. Umstritten kann nur sein, ob das "seit" rein temporal ist, ohne daß damit ein Zusammenhang mitgemeint ist, oder ob es causal ist, daß dies Reformkonzil eine wesentliche Ursache des Niedeganges ist oder ob geurteiltwerden muß, daß trotz des Konziles jetzt ein Niedergang der Kirche zu konsatieren ist.
Aber wie wäre es, frügen wir mal ganz unzeitgemäß ganz anders. Das Zentrum der christlichen Religion und somit auch der Theologie ist Gott, bzw die Gotteslehre. Könnte der jetzige Niedergang dann wirklich sich unabhängig von der Gotteslehre der Kirche ereignen,sofern wir wirklich von einer grundlegenden Krise sprechen müssen. 
Statt nach dem Anfang zu fragen, ab wann und in welchem Punkte die kirchliche Gotteslehre den ersten Grund oder Anlaß dieser heutigen Krise lieferte, soll nun an den Anfang das Ende der Destruktion Gottes in der postmodernen Theologie gestellt werden, um zu fragen: Was könnten die Emergenzpunkte gewesen sein, die zu so einer deströsen Gotteslehre führten, wie sie der modernistische Jesuit Keller vertritt.  Aus meinem Buch:"Der zensierte Gott" dazu:      
 
Typisch hierfür ist die Meinung des modernistischen Jesuiten Keller: „Außerdem schließt bereits die Absolutheit Gottes es aus, er könne auf irgendeine Weise durch die Welt betroffen oder beeinflusst werden.“1 Gemeint ist damit zweierlei: Gott ist so absolut, daß eine Sünde ihn gar nicht berühren könne, und Gott ist so absolut, daß Gott kein menschliches Gebet erhören könne. „Es widerspricht dem Glauben, durch unser Beten werde Gott veranlaßt etwas zu tun. Das Neue Testament sagt: „Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,8 und 16). Er ist nicht 99 Prozent Liebe, nicht noch zu steigern, er ist völlig und pur und allein Liebe. Nichts kann ihn bessern; und wenn alle Menschen tausendfach beteten, würde er um kein Jota gütiger und gnädiger, weil er bereits völlig reine Güte ist, die uns immer schon überschüttet mit unendlicher Liebe. Nur ein Irrglaube kann meinen, Gott sei mit Beten zum Guten zu bewegen. Gott ist unbewegbar.“2

Der Liebesgott der Modernisten, der bedingungslos jeden Menschen liebt, ist ein Gott, der eigentümlich gleichgültig liebt. Ihm ist es egal, ob seine Liebe von uns erwidert wird oder ob wir nichts von ihr wissen wollen. Es ist dieser Liebe gleichgültig, ob wir gemäß dieser Liebe leben oder sündigen. Ja, diesem Gott scheinen die Menschen, die er liebt, letztendlich gleichgültig zu sein. Ganz anders der Gott der Tradition: Er wendet sich so sehr den Menschen zu, daß er in seiner Liebe zu den Menschen sich wirklich engagiert. Er zürnt dem Untreuen, er läßt sich durch unsere Sünden verletzen, er will unsere Umkehr, weil er uns liebt. Er zürnt, wenden wir uns stattdessen von ihm ab. Er läßt sich aber wiederum von uns bewegen. Durch Opfer und Gebete, die Menschen ihm darbringen, ist er umstimmbar, weil er als liebender Gott in einer lebendigen Beziehung zu uns lebt. Und das ist eine ganz und gar von der modernistischen Theologie verschiedene Gottesvorstellung, in der Gott nur noch wie eine tote Sonne ihr Liebeslicht auf alles ausstrahlt, völlig gleichgültig den Empfängern gegenüber, weil Gott sonnengleich alle gleich liebt und genau genommen dabei niemanden wirklich liebt, weil die Menschen ihm in dem, wie sie auf Gottes Liebe antworten, gleichgültig sind.
1Keller, A., SJ, Grundkurs des christlichen Glaubens. Alte Lehren neu betrachtet, 2011, S. 301.
2Keller, A. a.a.O. S. 483.

Der Vorzug dieses postmodernen Gottesbildes ist evident. Gott wird hier gemäß den Nützlichkeitserwägungen einer multikulturellen und multiethnischen Gesellschaft konstruiert: Wie ist Gott zu denken, damit er optimal funktional ist für eine so postmodern pluralisierte Gesellschaft oder wie muß Gott minimalistisch gedacht werden, damit die christliche Religion nicht selbst Grund für Konflikte in so gearteten Gesellschaften wird. Es handelt sich also um eine Fortfühung des Programmes der Domestikation Gottes durch die Aufklärung als eine Reaktion auf die innerchristlchen Religionskriege des 17. Jahrhundertes.
Aber dieser Domesikationsversuch konnte doch nur gelingen, wenn schon in der diesem Domestikationskonzept vorliegender Tradition der Gotteslehre es zumindest Anknüpfungspunkte gab, von wo aus dann diese Domestikation vollzogen werden konnte. 
Der modernistische Zeller zeigt uns nun selbst diese Ausgangspunkte in der traditionellen Gotteslehre an, die er verabsolutierend dann zu einer häretischen Gotteslehre "weiterentwickelt".  
Der Kandidat für die Domestikation Gottes ist in der Vollkommenheitslehre zu finden, sozusagen im Embryonalzustand. Das Ziel der Umformung der Gotteslehre ist ein Gott der Gleichgültigkeit, der nur noch liebt um zu jedem zu sagen: Du bist in Ordnung  und dein Nächster auch und dem es gleichgültig ist, ob und wie Menschen seine Liebe respondieren. Damit kann die christliche Religion vollständig in einen prakizierten Humanitarismus (Arnold Gehlen) umgeformt werden. Dem korreliert das Selbstverständnis des heutig gelebten Christentumes: Christ sein heißt, an es in göttliches Wesen zu glauben und sich bemühen, moralisch anständig zu leben. 
Aber wie setzte diese Umformung wo in der Gotteslehre an? Der Verdacht:Daß Gott so als Vollkommenheit gedacht wurde, daß damit der Tod Gottes vorpogramiert ist. Nietzsches Diktum: "Wir haben Gott getötet!" könnte auch so gedeutet werden- gewiß dann nicht im Sinne der Urheberintention, aber das ist spätestens seit dem Essay von Roland Bathes: "Der Tod des Autors" auch erlaubt. Texte emanzipieren sich von der Autorenintention, werden so zu etwas Objekiven, das Gehalte in sich trägt, die nicht vom Autoren bewußt beabsichtigt waren. 
Das Problem läßt sich im Blick auf Zellers Gotteslehre auf eine Frage reduzieren: Ist Gott so als Vollkommenheit zu denken, daß sein Denken,Wollen und Tuen durch seine göttliche Natur als determniert zu denken ist? Wäre Gott vollkommen durch sich selbst deteminiert zu denken, kann nicht mehr gedacht werden, daß Gott eine wirklich lebendige Geschichte mit Menschen eingehen kann. Nur wenn Gott auch als freies Subjekt gedacht wird, kann es eine Beziehungsgeschichte Gottes mit Menschen geben, in der auch Gott kontingent sich zum kontingenten Verhalten der Menschen verhält. Die radicalste Alternative dazu präsentieren Luther, Zwingli und Calvin in ihrem theozentrischen Determinismus, daß Gott allein alles bestimmt. Hier kann es dann auch keine Religion mehr geben, der Tod der Religion ist da vorprogramiert.
Aber was beenträchtigt in der traditionellen Gotteslehre die Feiheit Gottes und damit auch seine Lebendigkeit? Denn man kann urteilen, daß ein durch sich selbst vollständig determiniertes Wesen faktisch ein totes ist. 
Als provokannte Frage soll deshalb. Starb Gott an seiner Vollkommenheit, oder besser formuliert: Tötete die Theologie Gott mit ihrer Vollkommenheitslehre?  Der Gott des Modernisten Zeller ist ja faktisch ein toter Gott! 
Versuchen wir, durch Fragen dem näher zu kommen!
Konnte Gott wirklich eine andere Welt schaffen als die, die er geschaffen hat, wenn er nur die vollkommendste denken, wollen und realisieren kann? Oder könnte es mehrere Möglichkeiten vollkommender Welten für Gott geben? 
Wenn Gott immer vollkommen die Welt erhält, regiert, kann dann der Lauf der Geschichte auch noch anders verlaufend vorgestellt werden, oder müssen wir dann glauben, daß wir immer schon in der bestmögllichen leben, weil Gott allein ihr Herr ist. (Vgl Leibniz) 
Kann dann wirklich noch geglaubt werden,, daß Gott Gebete und Opfer erhören kann? Oder ist Gott so durch seine Natur zur Liebe und Barmherzgkeit determiniert, daß jeder religiöse Kult überflüssig ist, es sei denn er diene ausschließlich der Gemeinde?(So Kant)
(Es ist bezeichnend, daß im Calvinismus  ob seiner deterministischen Gnadenwahllehre zum erstenmale in einer Religion das Gebet für Verstorbene verurteilt und verboten wurde, weil Gott allein zum ewigen Leben erwählt, wenn er will und verwirft, wen er will, sodaß ein Gebet für Verstorbene  ein Beten wider Gott ist, denn er hat ja in Ewigkeit erwählt und das kann selbst Gott nicht durch eine Gebetserhörung ändern!)
Anders gefragt: Muß nicht, damit Gott ein Gott in einer lebendigen Geschichte mit Menschen sein kann, er selbst als Freiheit  gedacht werden? Aber wenn Gottes Freiheit nur darin bestünde, daß er dazu determiniert ist, immer nur vollkommen denken, wollen und realisieren zu können, dann kann er nicht mehr als lebendig und als beziehungsfähig zu Menschen gedacht werden. So stürbe Gott an seiner eignen Vollkommenheit bis er zum toten Gott des Modernismus wird, wie bei Keller! 

Zusätze
In der traditionellen Gotteslehre findet sich dann bei aufmerksamer Lektüre eine innere Unausgeglichenheit zwischen der Betonung des kontingenten Wirkens des dreieinigen Gottes nach außen und seine sein Wirken determinierende göttliche Natur. Nach meinem Leseeindruck war und ist es das Verdienst Wilhelm Ockhams, Gott radical als Freiheit zu denken. Hier könnte positiv angknüpft werden auch dann im Blick auf das Freiheitsverständnis Sartres, der an Ockham sehr interessant anknüpft.  
   
 

Mittwoch, 14. Februar 2018

Über heutige Angriffe auf die Kirche

Einstens assoziierte man bei der Vorstellung eines Angriffes auf die Kirche kirchenexterne Kräfte als Urheber. Die gibt es noch im 21. Jahrhundert- es sei nur an den Islam erinnert oder an Feministin, die haßerfüllt skandieren: Wenn Maria abgetrieben hätte, wäre das- die christliche Religion- uns erspart geblieben. Nur, es kann nicht übersehen werden, daß in unseren Zeiten die Hauptangriffe auf die Kirche aus ihrer Mitte kommend selbst vorgetragen werden.  
War es im deutschen Sprachraum einst die antikatholische Bewegung: "Wir sind Kirche", die alle Deformvorschläge zur Destruktion der Kirche in sich bündelte, so bestimmen jetzt ihre Deformabsichten den innerkirchlichen Diskurs.
Ein erster Erfolg ist nun errungen: Geschieden-Wiederverheiratete dürfen jetzt in vielen Bistümern unter ausdrücklicher Billigung des Papstes die Eucharistie empfangen. Und renitente Bischofskonferenzen,etwa die Polens- ist es doch wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis Rom auch von ihnen ein Einschwenken auf eine liberale Zulassungspraxis  einfordern wird aus Glaubensgehorsam. Denn es kann ja nicht sein, daß in dutschen Bistümern erlaubt  ist, was der polnische Klerus untersagt.
Ein zweiter kündigt sich an: Der Kampf gegen den Priesterzölibat. In der Amazonassynode soll wohl der Zölibat erst nur punktuell für das Amazonasgebiet aufgelöst werden. Ist es ein Zufall, daß ein Österreicher, dem Lande der Heimat der antikatholischen Bewegung:"Wir sind Kirche" nun maßgebend bei diesem Angriff auf die Kirche beteiligt ist?
Zwei weitere Angriffsziele sind klar erkennbar: Die gelebte Homosexualität soll moraltheologisch legitimiert werden und erste Schritte der Auflockerung des klaren Neins zur Abtreibung zeichnen sich ab. Kardinal Marx ist da ja vorausgeprescht in seiner Laudatio auf die antikatholische Vereinigung: Donum vitae. 
Augenfällig ist, daß die Angriffe nicht sich gegen die dogmatische Lehre der Kirche kaprizieren, ja die unberührt lassen wollen, es soll eben nur die kirchliche Praxis von der dogmatischen Lehre emanzipiert werden. 
Aber dieser Eindruck trügt! Denn den jetzigen Angriffen auf die Praxis der Kirche ging der Umsturz der katholischen Theologie voraus! Das revolutionär Neue ist die Lehre von dem unbedingten Jas Gottes zu jedem Menschen, seine unbedingte Liebe zu allen Menschen. Zur Veranschaulichung: Lehrte einst Jesus Christus in seiner Bergpredigt: "Wenn eure Gerechtigkeit nicht viel größer ist als die der Pharisäer und Schriftgelehrten, dann werdet ihr nicht eingehen in das Reich der Himmel", so hören wir jetzt, daß Gottes Liebe so unbedingt ist, daß, weil er zu jedem Ja sagt, jeder auch in das ewige Leben eingehen wird, es sei denn, er wolle das nicht. Denn Gottes Liebe wolle doch Niemanden zu seinem ewigen Glück zwingen. Dieser revolutionäre Umsturz in der dogmatischen Lehre ermöglichte erst die vielen Zweitangriffe auf die Kirche, weil nun der Herr der Kirche ein Gott ist, dem ob seiner unbedingten Liebe es letztlich gleichgültig geworden ist, was seine Kirche tut. Erst jetzt können Kirchenobere unbelastet von der Frage: "Wie wird Gott unser Tuen burteilen?" sich nur noch auf die Wünsche der Menschen ausrichten.   

Corollarium 1
Es ist bezeichnend, daß Veränderungen in der dogmatischen Lehre, wie sehr sich die universitäre Lehre von der Lehre der Kirche emanzipiert hat und daß das in den Universitäten faktisch Dozierte das kirchiche Handeln bestimmt, kaum beachtet wird, weil das Augenmerk fast nur noch aufs Praktische kapriziert ist,

Corollarium 2
Von der doctrina sana (1.Tim 1,9), von der gesunden Lehre, wo hört man davon noch in der Kirche? Jesus habe doch keine Doktrin gelehrt, er sei doch nur als Liebe seinen Mitmenschen begegnet.Diese antiintellektualistische Aversion gegen alles Lehrhafte ist ein wesentlicher Grund des Niederganges der Kirche.